Donnerstag, 14. Februar 2013

what about education?

Ausbildung ist heute ein häufiger aber auch kontrovers diskutierter Begriff. Unter Ausbildung, Bildung, Education, kann man vielschichtige Diskussionen führen und auch recht divergierende Konnotationen empfinden. Meiner Ansicht nach denken die meisten Menschen als erstes an schulische Bildung, dann vielleicht an Kindererziehung. Meistens jedoch an institutionelle Bildung. Was jedoch kann Bildung noch sein? Wie kann sie noch stattfinden?
Gehen wir einmal vom herkömmlichen, der institutionellen Bildung aus, dann muss in jedem Falle erwähnt werden, dass sie wichtiger ist denn je. Oder? Nun, vor einigen (hundert) Jahren hatten nicht viele Menschen Zugriff auf Bildung. Lediglich die Upper Class mit den nötigen finanziellen Mitteln konnte sich schulische Bildung und Erziehung leisten. Die meisten anderen Menschen gingen relativ schnell, häufig schon von Kindesbeinen an arbeiten. Handarbeit. Heute haben viele Menschen Zugang zu Bildung und Erziehung. Manche nutzen sie andere nicht. Heute haben viele Menschen die Möglichkeit ein Abitur in Deutschland zu machen, einen Collegeabschluss oder ähnliches auch im Ausland. Ja, Moment, aber meist nur in ökonomisch kräftigeren Ländern. Doch um die Sache hier nicht zu weitläufig zu gestalten, bleiben wir vorerst mal in Deutschland.
Fangen wir der Egozentrik halber mal mit meinem Beispiel an:
In jenem wäldlichen Stück Land, wo ich geboren, ging ich noch in die Grundschule, sogar in der gleichen Ortschaft. Um das Ganze noch ein wenig zu romantisieren, möchte ich erwähnen, dass ich mich an milde Sommer erinnere, in denen meine Nachbarin, die dieselbe Klasse besuchte wie ich, uns auf die Räder schwangen und morgens um acht Uhr in die Schule fuhren. Oft gingen wir auch zu Fuß. Wir spielten während dessen oft, wir seien die Fünf Freunde. Das bedeutet, dass eine Menge Imagination gefragt war. Denn wir waren nur zu zweit. So replazierte Ich "Julien und Dick" und meine Freundin war "George und Anne" - Timmy, den Hund ließen wir unsichtbar neben oder vor uns herlaufen. - Es war eine schöne Zeit, gute Noten, kleine Klasse, nette Freunde. Musik und Sport, Mathe und Deutsch, Sachunterricht und Werken. Ich mochte meine Grundschulausbildung. Aufgrund der guten Noten kam ich aufs Gymnasium. Ein anerkanntes Gymnasium in privaten klösterlichen Händen. Auch hier war ich gerne. Aber die Anforderungen wuchsen. Hatte ich Probleme in der Schule, konnte ich auf mein gutes Elternhaus bauen. Doch so eins hat nicht jeder. Was passiert dann mit diesen Schülern? Sie müssen meistens die Schule verlassen. Auf eine Real- oder Hauptschule wechseln. Und dann? Damals, zu meiner Kindheit, war das lediglich ein Akt des Ansehensverlust. Heute heißt es meines Erachtens leider auch gleich ein "Verlust an Bildung". Früher war das Gymnasium lediglich für begabte Schüler offen, die breite Masse besuchte die Volks- oder Mittelschule. Heute möchte jeder aufs Gymnasium. Früher haben nur wenige Menschen studiert, an einer Hochschule, um Wissenschaftler zu werden. Heute gehört Studieren nicht nur zum guten Ton, sondern beinahe als einzige Bildungslösung. Lehren werden immer weniger angesehen, ganz abgesehen vom "einfachen Arbeiten". Das Studium wird für die Masse bereit gestellt. Doch nicht jeder ist "gut genug" für ein wissenschaftliches Studium. Ach, das macht aber nichts in Deutschland. Denn wir haben ja noch die FHS, die Betriebswirtschaftlichen Hochschulen und wie sie alle heißen. Aber Hauptsache man hat studiert. So heisst es jedenfalls später. Das Studium wird als Generale pauschalisiert und gleichgesetzt, was eigentlich gar nicht machbar sein dürfte. Die Ausbildungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber, Hauptsache man hat studiert.
In vielen anderen Ländern gibt es solche Hochschulen oft gar nicht, geschweige denn Ausbildungsberufe und Meister. Ich, für meinen Teil, finde Ausbildungen, also die klassische Lehre, ziemlich gut. Nicht so hingegen die verschiedenen Hochschulen, die über all aus dem Boden gewuchtet werden, so dass sich jeder danach mit einem Grad schmücken kann. Nein, das gefällt mich nicht. Wir Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und was bitte ist so schlimm daran, wenn einer eine Lehre und der andere ein Hochschulstudium hat? What makes the difference? Natürlich gibt es einen Unterschied, aber er sollte als positiv erachtet werden nicht als besser oder schlechter.
Auch ich habe im Anschluss an das Gymnasium, das Abitur, eine Lehre absolviert. Erst war es gut für mich, da ich nicht genau wusste, was ich studieren sollte. Und ich zähle mich nicht zu den Leuten, die eben einfach mal etwas anfangen zu studieren und dann noch 3 mal wechseln. Auch das finde ich nicht schlimm. Aber für mich persönlich fand ich es eben besser eine Lehre abzuschließen. Anerkannt. Bezahlt. Bezahlte Zeit zum Nachdenken, was möchte ich studieren oder möchte ich überhaupt studieren. Ich habe mich dazu entschieden zu studieren, zum Glück. Denn ich hätte schon längst ein Burn-out hätte ich in jenem Beruf verweilt.
Mittlerweile bin ich alt, mal subjektiv betrachtet, und befinde mich im Masterstudium. Es gefällt mir sehr gut und mein Traum wäre es in der Uni zu bleiben, als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Aber das ist schwierig. Und da komme ich zum eigentlichen Punkt. Denn heute ist die "hohe" Bildung absolutisiert worden. Meines Erachtens werden die Ansprüche gesenkt, damit alle das Recht auf ein Studium haben, dass sie auch schaffen können. Im Sinne der Égalité ist das ja auch wunderbar, aber macht dann am Ende in der Wirtschaft auch keinen Sinn mehr. Denn die Arbeitsplätze werden als Rarität verteilt. Billiglöhner und Superverdienende. Aber für die breite Masse, die die aufs Gymnasium gehen durfte, scheint es an Arbeitsplätzen zu fehlen. Beziehungsweise, es läuft nur noch auf die Sparten hinaus, die ökonomisch-finanziell Gewinnbringend dastehen.
Wofür ist dann Bildung da? Sollen wir uns alle in eine Richtung entwickeln? In die, die der Wirtschaft Geld bringt?
Nun, bedeutet Bildung nicht auch noch etwas anderes? Erziehung....Wissen...Verhalten....Abwechslung....Neugier....Glück....????

Was auch immer, es hat viele subjektive Bedeutungen und ich finde "Bildung und Erziehung" sollte mal wieder etwas allgemeiner auftreten. "Mein Kind muss unbedingt aufs Gymnasium"...ich verstehe die Aussage gut. "Die Bildungspolitik wird finanziell vernachlässigt". Ja, stimmt auch. Keine Krippenplätze. Hmmmhhh. Jap, stimmt alles. Ja, und für mich bedeutet all das Bildung. Wir sollten noch einmal durchdenken, was alles Bildung ist, wofür wir sie brauchen, warum wir sie wollen, wofür sie gut ist und warum wir sie als Mensch zu Mensch weitergeben sollten.

Donnerstag, 7. Februar 2013

...nur ein ganz normales Leben!?!

Woher auf einmal der Plan anzufangen Blogs zu schreiben? Vielleicht, weil es schön ist anderen sein eigenes einfaches Leben zu präsentieren? Zu viel Zeit? Die Lust am Schreiben? Erinnerungen erwecken und festhalten?
Es mag eine Mischung aus all dem sein. Eine Mischung, aus der auch der Alltag besteht. Alltag ist langweilig und doch öfter als gedacht aufregend. Es hätte schon Internet und Blogs geben müssen, als ich angefangen habe zu schreiben, mit sechs oder sieben Jahren. Es sind die Tagebücher von heute. Damals hat man Tagebuch geschrieben, um die innersten Gefühle loszuwerden, jemandem, oder in diesem Fall "einem Etwas" seine Geschichte erzählen zu dürfen ohne dass die umliegende Welt etwas davon erfährt. Das sieht heute anders aus. Da schreibt man "Tagebuch" damit die umliegende Welt davon was erfährt. Und diese umliegende Welt erstreckt sich nun auch auf die Welt, den Globus, nicht nur auf den dörflichen Umkreis von damals.
Wie dem auch sei, warum also jetzt Blog schreiben und der Öffentlichkeit etwas aus dem privaten und intimen Leben mitteilen? Vielleicht auch deshalb, weil man schöne und schlechte Erfahrungen zu teilen meint, insgeheim hofft, anderen Tips zu geben, von anderen Tips zu bekommen?

Ich wurde 1983 in einer kleinen Stadt im westlichen Deutschland, tief im Walde, geboren. Es war ein heißer Sommer, meinte meine Mutter. Sie hat nur mich geboren, mehr war irgendwie nicht drin. Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Einzelkind bin, werde ich meistens bemitleidet oder sofort als verzogen hingestellt. Nach fast 30jähriger Erfahrung hat sich etwas wie eine automatische Rechtfertigung eingeschlichen; etwa: "Ich bin Einzelkind. Das war aber nicht schlimm, denn in unserer Straße lebten damals viele Kinder im gleichen Alter und während der heißen Sommer haben wir alle draußen gemeinsam gespielt. Die Türen standen immer offen und jeder konnte ein- und ausgehen. Daher habe ich mich nie einsam gefühlt." Oder so:"...ja natürlich, Einzelkinder mögen viele Vorteile genießen. Ich muss natürlich nicht das Zimmer mit meinem Bruder oder Schwester teilen, klar bekomme ich mehr zu Weihnachten und sicher muss ich nicht um mein Essen kämpfen. Aber dafür musste ich immer alleine den Müll rausbringen, mir alleine Gedanken machen, was ich meinen Eltern zum Geburtstag schenke, im Urlaub alleine und selbständig Freunde zum spielen suchen. Heute kann ich mich gut auch alleine beschäftigen, ohne dass mir langweilig wird. Ich kann mein Essen wunderbar teilen, da ich nie darum kämpfen musste. Und wenn meine Eltern alt sind, dann bin ich die Einzige, die sich um jene kümmern wird und kann es nicht mit meinen Geschwistern aufteilen."
So oder so ähnlich lautet häufig meine Gegenattacke, wenn mal wieder jemand die Braue bei dem Wort "Einzelkind" hebt. Ich habe nie verstanden, was bitte so wichtig daran sein soll, ob man nun alleine oder mit Geschwistern aufgewachsen ist? Das im Reifeprozess gewisse Unterschiede auftreten ist sicher nicht zu negieren. Doch Vieles lässt sich anderweitig "kompensieren", bzw. nie werden wirklich perspektivisch divergent Vor- und Nachteile gegeneinander aufgestellt. Es werden immer nur gewisse Vorzüge eines Einzelkindes gesehen und sogleich wird es als verzogen oder verwöhnt dargestellt. Ich kenne genügend Beispiele aus dem familiären und freundschaftlichen Umkreis wo auch Geschwisterkinder mehr als verzogen sind. Warum ist es so verdammt schwer zu erkennen, dass man als Einzelkind genauso Vor- und Nachteile im Leben hat wie ein Geschwisterkind.
Oder sehr beliebt ist auch: "Oh Einzelkind, dann kannst du sicher nicht gut teilen, oder?" - Meine Güte, warum sollte ich als Einzelkind weniger gut teilen können als Geschwisterkinder? (Na, weil du nie gelernt hast Etwas mit deinen Geschwistern zu teilen). Also, zum einen fällt es erst mal den allermeisten Kleinkindern schwer irgendetwas persönliches zu teilen. Zum anderen verhält es sich so, dass Dinge, die wir lieben wir weiterhin auch als Erwachsene ungern teilen. Daher lernt man es ja auch, das ist kein natürlicher Prozess, der automatisch entsteht, alsbald man ein Geschwisterlein bekommt. Nein, man erlernt es, weil jemand es einem beibringt. Man kann es also auch genauso gut mit den Eltern, Cousins, Tanten, Onkeln, Oma und Opa, den Freunden und in der Schule lernen. Und bei einer guten Erziehung kann so gut wie jeder "das Teilen" lernen. Oder?
Es gibt noch zig andere Vorurteile dem Einzelkinde gegenüber. Vielleicht legt sich das erst in näherer Zukunft, wo es wahrscheinlich etwas mehr Einzelkinder geben könnte, aufgrund der kläglichen Familienpolitik und dem Wunsch, nach nur einem Kind.
Ich bin nicht wenig in der Welt herumgekommen und wenn die Leute mich nach meinen Geschwistern frugen, musste ich immer glimpflich bei geben und das erste was ich in den Augen meines Gegenübers sah war Verwunderung. Die Reaktion drückte eindeutig aus, dass ich mit meinen Charakterzügen kein Einzelkind sein könne! Nu da! Widerlegt?