Ausbildung ist heute ein häufiger aber auch kontrovers diskutierter Begriff. Unter Ausbildung, Bildung, Education, kann man vielschichtige Diskussionen führen und auch recht divergierende Konnotationen empfinden. Meiner Ansicht nach denken die meisten Menschen als erstes an schulische Bildung, dann vielleicht an Kindererziehung. Meistens jedoch an institutionelle Bildung. Was jedoch kann Bildung noch sein? Wie kann sie noch stattfinden?
Gehen wir einmal vom herkömmlichen, der institutionellen Bildung aus, dann muss in jedem Falle erwähnt werden, dass sie wichtiger ist denn je. Oder? Nun, vor einigen (hundert) Jahren hatten nicht viele Menschen Zugriff auf Bildung. Lediglich die Upper Class mit den nötigen finanziellen Mitteln konnte sich schulische Bildung und Erziehung leisten. Die meisten anderen Menschen gingen relativ schnell, häufig schon von Kindesbeinen an arbeiten. Handarbeit. Heute haben viele Menschen Zugang zu Bildung und Erziehung. Manche nutzen sie andere nicht. Heute haben viele Menschen die Möglichkeit ein Abitur in Deutschland zu machen, einen Collegeabschluss oder ähnliches auch im Ausland. Ja, Moment, aber meist nur in ökonomisch kräftigeren Ländern. Doch um die Sache hier nicht zu weitläufig zu gestalten, bleiben wir vorerst mal in Deutschland.
Fangen wir der Egozentrik halber mal mit meinem Beispiel an:

In jenem wäldlichen Stück Land, wo ich geboren, ging ich noch in die Grundschule, sogar in der gleichen Ortschaft. Um das Ganze noch ein wenig zu romantisieren, möchte ich erwähnen, dass ich mich an milde Sommer erinnere, in denen meine Nachbarin, die dieselbe Klasse besuchte wie ich, uns auf die Räder schwangen und morgens um acht Uhr in die Schule fuhren. Oft gingen wir auch zu Fuß. Wir spielten während dessen oft, wir seien die Fünf Freunde. Das bedeutet, dass eine Menge Imagination gefragt war. Denn wir waren nur zu zweit. So replazierte Ich "Julien und Dick" und meine Freundin war "George und Anne" - Timmy, den Hund ließen wir unsichtbar neben oder vor uns herlaufen. - Es war eine schöne Zeit, gute Noten, kleine Klasse, nette Freunde. Musik und Sport, Mathe und Deutsch, Sachunterricht und Werken. Ich mochte meine Grundschulausbildung. Aufgrund der guten Noten kam ich aufs Gymnasium. Ein anerkanntes Gymnasium in privaten klösterlichen Händen. Auch hier war ich gerne. Aber die Anforderungen wuchsen. Hatte ich Probleme in der Schule, konnte ich auf mein gutes Elternhaus bauen. Doch so eins hat nicht jeder. Was passiert dann mit diesen Schülern? Sie müssen meistens die Schule verlassen. Auf eine Real- oder Hauptschule wechseln. Und dann? Damals, zu meiner Kindheit, war das lediglich ein Akt des Ansehensverlust. Heute heißt es meines Erachtens leider auch gleich ein "Verlust an Bildung". Früher war das Gymnasium lediglich für begabte Schüler offen, die breite Masse besuchte die Volks- oder Mittelschule. Heute möchte jeder aufs Gymnasium. Früher haben nur wenige Menschen studiert, an einer Hochschule, um Wissenschaftler zu werden. Heute gehört Studieren nicht nur zum guten Ton, sondern beinahe als einzige Bildungslösung. Lehren werden immer weniger angesehen, ganz abgesehen vom "einfachen Arbeiten". Das Studium wird für die Masse bereit gestellt. Doch nicht jeder ist "gut genug" für ein wissenschaftliches Studium. Ach, das macht aber nichts in Deutschland. Denn wir haben ja noch die FHS, die Betriebswirtschaftlichen Hochschulen und wie sie alle heißen. Aber Hauptsache man hat studiert. So heisst es jedenfalls später. Das Studium wird als Generale pauschalisiert und gleichgesetzt, was eigentlich gar nicht machbar sein dürfte. Die Ausbildungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber, Hauptsache man hat studiert.
In vielen anderen Ländern gibt es solche Hochschulen oft gar nicht, geschweige denn Ausbildungsberufe und Meister. Ich, für meinen Teil, finde Ausbildungen, also die klassische Lehre, ziemlich gut. Nicht so hingegen die verschiedenen Hochschulen, die über all aus dem Boden gewuchtet werden, so dass sich jeder danach mit einem Grad schmücken kann. Nein, das gefällt mich nicht. Wir Menschen haben unterschiedliche Fähigkeiten und was bitte ist so schlimm daran, wenn einer eine Lehre und der andere ein Hochschulstudium hat? What makes the difference? Natürlich gibt es einen Unterschied, aber er sollte als positiv erachtet werden nicht als besser oder schlechter.
Auch ich habe im Anschluss an das Gymnasium, das Abitur, eine Lehre absolviert. Erst war es gut für mich, da ich nicht genau wusste, was ich studieren sollte. Und ich zähle mich nicht zu den Leuten, die eben einfach mal etwas anfangen zu studieren und dann noch 3 mal wechseln. Auch das finde ich nicht schlimm. Aber für mich persönlich fand ich es eben besser eine Lehre abzuschließen. Anerkannt. Bezahlt. Bezahlte Zeit zum Nachdenken, was möchte ich studieren oder möchte ich überhaupt studieren. Ich habe mich dazu entschieden zu studieren, zum Glück. Denn ich hätte schon längst ein Burn-out hätte ich in jenem Beruf verweilt.
Mittlerweile bin ich alt, mal subjektiv betrachtet, und befinde mich im Masterstudium. Es gefällt mir sehr gut und mein Traum wäre es in der Uni zu bleiben, als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Aber das ist schwierig. Und da komme ich zum eigentlichen Punkt. Denn heute ist die "hohe" Bildung absolutisiert worden. Meines Erachtens werden die Ansprüche gesenkt, damit alle das Recht auf ein Studium haben, dass sie auch schaffen können. Im Sinne der Égalité ist das ja auch wunderbar, aber macht dann am Ende in der Wirtschaft auch keinen Sinn mehr. Denn die Arbeitsplätze werden als Rarität verteilt. Billiglöhner und Superverdienende. Aber für die breite Masse, die die aufs Gymnasium gehen durfte, scheint es an Arbeitsplätzen zu fehlen. Beziehungsweise, es läuft nur noch auf die Sparten hinaus, die ökonomisch-finanziell Gewinnbringend dastehen.
Wofür ist dann Bildung da? Sollen wir uns alle in eine Richtung entwickeln? In die, die der Wirtschaft Geld bringt?
Nun, bedeutet Bildung nicht auch noch etwas anderes? Erziehung....Wissen...Verhalten....Abwechslung....Neugier....Glück....????
Was auch immer, es hat viele subjektive Bedeutungen und ich finde "Bildung und Erziehung" sollte mal wieder etwas allgemeiner auftreten. "Mein Kind muss unbedingt aufs Gymnasium"...ich verstehe die Aussage gut. "Die Bildungspolitik wird finanziell vernachlässigt". Ja, stimmt auch. Keine Krippenplätze. Hmmmhhh. Jap, stimmt alles. Ja, und für mich bedeutet all das Bildung. Wir sollten noch einmal durchdenken, was alles Bildung ist, wofür wir sie brauchen, warum wir sie wollen, wofür sie gut ist und warum wir sie als Mensch zu Mensch weitergeben sollten.