Es mag eine Mischung aus all dem sein. Eine Mischung, aus der auch der Alltag besteht. Alltag ist langweilig und doch öfter als gedacht aufregend. Es hätte schon Internet und Blogs geben müssen, als ich angefangen habe zu schreiben, mit sechs oder sieben Jahren. Es sind die Tagebücher von heute. Damals hat man Tagebuch geschrieben, um die innersten Gefühle loszuwerden, jemandem, oder in diesem Fall "einem Etwas" seine Geschichte erzählen zu dürfen ohne dass die umliegende Welt etwas davon erfährt. Das sieht heute anders aus. Da schreibt man "Tagebuch" damit die umliegende Welt davon was erfährt. Und diese umliegende Welt erstreckt sich nun auch auf die Welt, den Globus, nicht nur auf den dörflichen Umkreis von damals.
Wie dem auch sei, warum also jetzt Blog schreiben und der Öffentlichkeit etwas aus dem privaten und intimen Leben mitteilen? Vielleicht auch deshalb, weil man schöne und schlechte Erfahrungen zu teilen meint, insgeheim hofft, anderen Tips zu geben, von anderen Tips zu bekommen?
Ich wurde 1983 in einer kleinen Stadt im westlichen Deutschland, tief im Walde, geboren. Es war ein heißer Sommer, meinte meine Mutter. Sie hat nur mich geboren, mehr war irgendwie nicht drin. Wenn ich Menschen erzähle, dass ich Einzelkind bin, werde ich meistens bemitleidet oder sofort als verzogen hingestellt. Nach fast 30jähriger Erfahrung hat sich etwas wie eine automatische Rechtfertigung eingeschlichen; etwa: "Ich bin Einzelkind. Das war aber nicht schlimm, denn in unserer Straße lebten damals viele Kinder im gleichen Alter und während der heißen Sommer haben wir alle draußen gemeinsam gespielt. Die Türen standen immer offen und jeder konnte ein- und ausgehen. Daher habe ich mich nie einsam gefühlt." Oder so:"...ja natürlich, Einzelkinder mögen viele Vorteile genießen. Ich muss natürlich nicht das Zimmer mit meinem Bruder oder Schwester teilen, klar bekomme ich mehr zu Weihnachten und sicher muss ich nicht um mein Essen kämpfen. Aber dafür musste ich immer alleine den Müll rausbringen, mir alleine Gedanken machen, was ich meinen Eltern zum Geburtstag schenke, im Urlaub alleine und selbständig Freunde zum spielen suchen. Heute kann ich mich gut auch alleine beschäftigen, ohne dass mir langweilig wird. Ich kann mein Essen wunderbar teilen, da ich nie darum kämpfen musste. Und wenn meine Eltern alt sind, dann bin ich die Einzige, die sich um jene kümmern wird und kann es nicht mit meinen Geschwistern aufteilen."
Oder sehr beliebt ist auch: "Oh Einzelkind, dann kannst du sicher nicht gut teilen, oder?" - Meine Güte, warum sollte ich als Einzelkind weniger gut teilen können als Geschwisterkinder? (Na, weil du nie gelernt hast Etwas mit deinen Geschwistern zu teilen). Also, zum einen fällt es erst mal den allermeisten Kleinkindern schwer irgendetwas persönliches zu teilen. Zum anderen verhält es sich so, dass Dinge, die wir lieben wir weiterhin auch als Erwachsene ungern teilen. Daher lernt man es ja auch, das ist kein natürlicher Prozess, der automatisch entsteht, alsbald man ein Geschwisterlein bekommt. Nein, man erlernt es, weil jemand es einem beibringt. Man kann es also auch genauso gut mit den Eltern, Cousins, Tanten, Onkeln, Oma und Opa, den Freunden und in der Schule lernen. Und bei einer guten Erziehung kann so gut wie jeder "das Teilen" lernen. Oder?
Es gibt noch zig andere Vorurteile dem Einzelkinde gegenüber. Vielleicht legt sich das erst in näherer Zukunft, wo es wahrscheinlich etwas mehr Einzelkinder geben könnte, aufgrund der kläglichen Familienpolitik und dem Wunsch, nach nur einem Kind.
Ich bin nicht wenig in der Welt herumgekommen und wenn die Leute mich nach meinen Geschwistern frugen, musste ich immer glimpflich bei geben und das erste was ich in den Augen meines Gegenübers sah war Verwunderung. Die Reaktion drückte eindeutig aus, dass ich mit meinen Charakterzügen kein Einzelkind sein könne! Nu da! Widerlegt?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen